Vom Fasten, Bikinis und die Sache mit dem Selbstbewusstsein

Wilde Haare am Morgen, die Nägel könnten mal wieder eine Maniküre vertragen und die Waage zeigt leider auch nicht das Wunschgewicht an. Ja, nicht alle sind damit gesegnet, gleich morgens wie ein Supermodel auszusehen. Welch Überraschung? Wer ist das schon. Ich stelle mir boshaft vor, wie so manches meiner Idole morgens wohl im realen Leben aussieht und ein fieses Grinsen beflügelt mich beim Zähneputzen.

 

Aber da beisst die Maus keinen Faden ab: der Frühling steht vor der Tür und die Bikinizeit beginnt bald wieder. Was nun? Diät? Schon das Wort lässt mich frösteln. Aber irgend etwas Sinnvolles sollte man schon tun. Nach all der gesunden Ernährung und den vielen Monaten ohne Alkohol in der letzten Schwangerschaft, habe ich eigentlich nur wenig Lust mich schon wieder im Verzicht zu üben. Ist auch nicht wirklich meine Stärke.

 

Ich überlege: eigentlich ernähren wir uns dank der Kinder doch eh ganz gesund? Alkohol gibt es nur am Wochenende, außer wir sind eingeladen oder es gibt etwas zu feiern – ok, auch wenn ich mal gestresst bin! Ich esse auch kaum Süsses. Nur Dienstag und eventuell mal Donnerstags. Ah ja, und Freitags nach dem Sport (da habe ich es mir ja dann quasi auch verdient). Mittwochs am Spielplatz brauche ich schon Mal einen Nachmittags-Energy-Schub in Form eines Krapfens oder Ähnliches und am Wochenende gibt es auch mal Kuchen. Ich rechne nach und die Lösung gefällt mir nicht.

 

Ich stelle mich auf die Wage um abzuschätzen wie groß der Schaden ist. Oh nein, ich bin nicht moppelich, ich bin Doppel-ich!

 

Meine Zweitgeborene stolpert ins Bad während ich dusche und so vor mich hin überlege, dabei sagt sie zu mir : „Mami hat Babybauch!“ und zeigt auf mich. Unverschämtheit! Aber sie kann es ja nicht besser wissen. Ich raunze Ihr zu, dass der bald wieder weg ist und stapfe ins Zimmer um mich anzuziehen. Heute nix anliegendes, meine Stimmung verdüstert sich. Dabei beschließe ich etwas zu unternehmen.

 

Fastenzeit! Die kommt wie gerufen. Am Abend habe ich einen Plan gefasst und erkläre ihn meinem Mann, derweil genieße ich eine Flasche Rotwein (vermutlich die letzte für sehr laaaaange Zeit). Ab Morgen gibt es nur noch Gemüse in Form von Rohkost, der Weinkonsum wird auf Null gefahren und Fleisch wird vom Speiseplan gestrichen. Kohlenhydrate sind nach 17 Uhr tabu und auf Süßes wird zur Gänze verzichtet.

 

Ich versuche überzeugend zu klingen, denn das alleine durch zu ziehen würde ich nicht schaffen. Er muss mitmachen und alle anderen im Haushalt auch, basta.

Mein Mann schaut sehr unglücklich, vor allem das mit dem Fleisch hat ihn hart getroffen. Es gibt natürlich auch keine Semmeln mehr (böses weißes Brot) und dass Nutella gestrichen wird, scheint er noch nicht ganz überrissen zu haben. Er willigt aber ein. Denn wir sind zu einer „Ibiza-Openning Party“ im Juni eingeladen und da wollen wir hin. Eine gute Gelegenheit, bis dahin etwas für unsere Beach-Bodys zu tun.

 

Seit 2 Wochen ziehen wir das jetzt durch, mit dem Ergebnis, dass schon einige Kilos gepurzelt sind. Es tut gut und ich fühle mich fitter, ausgeglichener und tatsächlich wohler in meiner Haut. Etwas gemeinsam zu erreichen macht Spaß und ich muss zugeben, mit der richtigen und ausgewogenen Ernährung, der wir uns nun hingeben, fällt es auch gar nicht so schwer. Ganz im Gegenteil. Wer heute glaubt, gesunde Ernährung wäre nur Qual und Verzicht, macht was falsch.

Ich gebe gerne zu, das ich mein obligatorisches Glässchen Wein am Abend schon vermisse. Aber ich weiß, wofür ich es tue … – und das Ergebnis spricht für sich. Ebenfalls positiv sind auch die „Nebenwirkungen“ die diese Ernährungsumstellung mit sich gebracht hat. Meine Kinder essen jetzt lieber Rohkost und Gemüse, da Mami und Papi das ja auch tun. Am Wochenende gibt es keinen Kuchen mehr, sondern Mandarinen und Nüsse.

 

Ich hoffe, dass wir weiter durchhalten und dass mein positives Körpergefühl weiter zunimmt. Und ich weiß, wofür ich es tue: unter anderem auch für mich und mein Selbstwertgefühl.

Ich will wieder Sport machen können, ohne gleich aus der Puste zu sein, ich will wieder in meine Sommerkleidchen schlüpfen und mich wohlfühlen können. Und last but not least: ich will gesünder leben, damit ich meinen Kinder noch lange auf die Nerven gehen kann. Ich werde sicherlich ab und zu weiter berichten wie es mir dabei geht.

 

Aber das Schönste war heute Morgen meine älteste Tochter, die sich am Frühstückstisch zu mir rüber beugt, mich zu sich zog und mir dabei tief in die Augen schaut: „Mami, heute bist Du besonders schön. Du bist sehr schick.“ Ach du süße Maus und ganz ohne das sie es weiss, denke ich mir: you made my day!

 

Sie kann noch nicht ahnen unter welchen Druck sich viele Frauen setzen, um das perfekte Äußere zu erlangen oder zu wahren. Sie weiß noch nicht, was eine Diät ist oder was es in der Gesellschaft heißt „ideale Körpermaße“ zu haben. Ich werde versuchen, meine Mädels so lange wie möglich davor zu bewahren, sich diesem Wahn und diesen Hirngespinsten hin zu geben. Hoffentlich gelingt mir das.

 

Diät, Fasten, wie man es auch nennen mag. Vergessen darf man dabei nicht, das wir auch dann weiter das Vorbild unserer Kinder sind. Also sollte man es auch richtig machen!

(Besuche: 197, davon heute 1)