Von Nähe, Akzeptanz und der Leichtigkeit des Seins

Kennen Sie das: ihr Partner will sich am Abend oder nachts an Sie kuscheln? Ist Liebe nicht was Wunderbares? Aber wenn der Partner immer näher und weiter aufrückt, sodass man aus dem Bett steigt, um es zu umrunden und auf der anderen Seite wieder einzusteigen, wird es albern. Wie viel Nähe ist gut für eine gesunde Beziehung?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe meinen Mann, ganz im Gegenteil: ist das vertraute Geraschel und das schwere Atmen nicht da, schlafe ich ganz besonders schlecht. Ich will Nähe, brauche sie sogar. Aber eben zu meinen Bedingungen und nur dann, wenn ich möchte. Da bin ich ein echter Egoist (leider).

Mein Mann liebt mich und hat mich akzeptiert, was ich nur schwer nachvollziehen kann, denn ich verstehe mich überhaupt nicht und das mit der Selbst-Akzeptanz übe ich noch. Ich liebe seine Küsse – und kuscheln ist was Herrliches. Es gibt mir Sicherheit, Geborgenheit und ein Gefühl von Zuhause wie nichts Anderes. Aber eben nur, wenn ich gerade will, dann bitte aber sofort und zu meinen Bedingungen. Erst jetzt erkenne ich, was für eine Engelsgeduld mein Mann (manchmal) mit mir haben muss.

Nähe – egal zu wem – ist was sehr Vertrautes und gibt uns Rudeltieren ein Gefühl von Frieden. Aber zu viel Liebe kann eben auch lästig sein! Ich habe drei Kinder, die öfters mal – durch Kindergarten und Kindermädchen fremd-betreut sind. Somit wird jede freie Minute, die sie mich sehen, an mir gehangen, wie die „Kletten“. Alle meine Freunde mit älteren Kindern, raten mir immer wieder, diese Zeit intensiv zu genießen. Sie haben sicherlich recht. Nur allzu schnell vergeht die Zeit und ich merke schon jetzt an meiner ältesten Tochter, dass sie (4,5-jährig!) viel zu „cool“ ist, um von Mami vor allen anderen Kindergartenkinder, noch ein Goodbye-Bussi zu bekommen.

Aber wie schnell wäre man doch, wenn man mal die Spülmaschine ausräumen könnte, ohne Kind auf dem Arm; ein Telefonat führen, ohne, dass das klammernde Kind auch in den Hörer quakt! Wie friedlich wäre es, mal alleine aufs Klo zu gehen oder nur sich anzuziehen? Immer ist jemand da, will auf den Arm, will reden, will Antworten auf lebenswichtige Fragen, wie z.B. „was gibt’s zum Abendessen?“.

Ich habe neulich mal wieder ein herrliches Wochenende mit meinen Freundinnen verbracht (girls only). Alle sind berufstätige Mütter und Ehefrauen. Es ist lustig zu beobachten, wie jede, ganz auf Ihre eigene Art, entspannt und genießt, mal nicht den Haushalt und die Probleme Anderer zu balancieren. Manche gehen shoppen, andere relaxen bei einer guten Massage. Am schönsten aber war die Aussage einer lieben Freundin: „Habt Ihr das riesige Bett in unserem Zimmer gesehen? Ich habe mich quer reingelegt und die ganze Nacht seligst geruht. Keine Kinder im Bett; kein Hund, der winselt; kein Mann, der schnarcht!“. Seligkeit kann manchmal so einfach sein.

Und auch ich habe es genossen, nicht des Nachts aufstehen zu müssen, weil ein Kind ruft oder der Mann neben mir schnarcht, dass sich die Balken biegen.

Ich muss allerdings zugeben, jetzt – wo ich wieder zu Hause bin – schlafe ich dennoch ruhig und friedlich (dafür aber eben auch kürzer!) gerade eben, weil ich weiß, dass all meine Lieben in meiner Nähe schlummern.

Ich überlasse es dem Herzen, zu wissen, was gut für mich ist und versuche den Kopf mal wieder öfters stumm zu schalten. Liebe, Nähe, Heimat, Friede, Vertrautheit sind das nicht die schönsten Dinge? Ich möchte sie wertschätzen und gut festhalten.

Alles ist vergänglich, … auch die Leichtigkeit des Seins.

 

 

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