Über Fasching, Masken und Bälle

Es ist wieder soweit: die närrische Zeit fiebert ihrem Höhepunkt entgegen und ich bin als viertel-Rheinländerin natürlich nicht ganz immun gegen die Geschehnisse. Insbesondere die herrlichen Faschingskrapfen mit der köstlichen Marmeladenfüllung haben es mir angetan. Auch mein Mann (ein waschechter Rheinländer) wird zu dieser Jahreszeit immer ganz hibbelig. Es summt öfters Karnevals-Lieder vor sich hin und ist etwas beschwingter als sonst.

 

Hier in Wien ist weniger Karneval mit Verkleidung die Devise, hierzulande geht man auf Bälle. Da gibt es dergleichen viele und es ist für jeden Geschmack etwas dabei: Medizinerball, Juristenball, Philharmoniker Ball, Kaffeesieder Ball, Jägerball, Akademikerball, Techniker Circle, Zuckerbäcker Ball, Violette Redoute, um nur einige aufzuzählen. Insgesamt kann man in Wien zwischen ca. 450 Bällen wählen.

 

Es gibt sogar einen Flüchtlingsball. Der Ball versteht sich aber nicht als Tanzveranstaltung für Flüchtlinge (auch wenn diese natürlich herzlich willkommen sind), sondern spendet seine Erlöse zugunsten von Flüchtlingen und deren Betreuung. Den Ball gibt es immerhin schon seit 25 Jahren.

 

Außerdem gilt es nun, die letzten Tage vor der Fastenzeit auszukosten. Ab Montag wird Diät gemacht, diesmal so richtig und wahrhaftig. Ich habe mir das hohe Ziel gesteckt, dieses Jahr meiner Traumfigur näherzukommen. Mal sehen, schickt mir Kraft!

 

Aber vorher lassen wir es noch einmal so richtig krachen. Dieses Jahr gehen wir auf den Opernball! Eins der Highlights der Wiener Ballsaison. Kaum ein Spektakel wird von fast jedem dritten Österreicher (und auch Nicht-Österreichern) so gebannt am Bildschirm zu Hause oder bei Freunden mit einem „Glaserl“ in der Hand verfolgt (außer dem Super G in Kitzbühel vielleicht?).

 

Dort gibt sich die Bussi-Bussi Gesellschaft, Stars und Sternchen, Politiker, Otto Normal Verbraucher, WIRKLICH wichtige Leute und Bauunternehmer die Klinke in die Hand. Man feiert, tanzt, lacht und trinkt zusammen bis in die frühen Morgenstunden. Dann geht man noch am Würstelstand vorbei, wo man sich, vereint mit anderen Nachtschwärmern noch schnell einen „Käsekrainer mit nam’ Buckl“ gönnt, bevor man seine ermüdeten Füße endlich hochlagert.

Mein Outfit ist nach wochenlanger Planung einsatzbereit und hängt gebügelt an Ort und Stelle. Die Schuhe stehen bereit, die Handtasche liegt daneben. Nun heißt es noch schnell eine Gesichtsmaske auflegen und die Händchen maniküren, dann kann es losgehen.

 

Jippy, ich freue mich seit Wochen auf diese eine Nacht. Nur ein Mal im Jahr bin ich nicht Mutter, Putzfrau, Kindergarten-Chauffeur und Aufräumer vom Dienst. Nein, ich darf die Maske aufsetzten und in die Rolle der Prinzessin schlüpfen und am Arm meines Traumprinzen (mein Mann sieht im Frack fantastisch aus!) über das Parkett der Wiener Staatsoper gleiten. Den nach der zeremoniellen Eröffnung heißt es für die Ballbesucher „Alles Walzer!“ und alles vereint sich im bunten Reigen im größten und berühmtesten Ballsaal der Welt. Fasching ist einfach was Wunderbares!

 

(Besuche: 150, davon heute 1)