Über Freundschaft, Florenz und Wein

Jedes Jahr wiederholt sich ein Highlight meines Daseins: ich verreise mit meiner illustren immer-gleichen Mädelrunde. Böse Zungen nennen es „Weiber Trip“, die haben allerdings keine Ahnung. Mal fahren wir ins Wellness Hotel, mal in die Berge, dieses Jahr ging es ins herrliche Florenz. Drei Tage ohne Kinder, Mann, Waschmaschine oder sonstige Verpflichtungen. Man malt sich aus, was man alles machen will: relaxen und in Seelenruhe Kaffee trinken, Gin Tonic auf Dachterrassen, Highheels und chice Outfitts (ohne Babybrei oder Tomaten Sauce auf weisser Hose). Hach, das wird herrlich!

Allerdings wird schon auf dem Hinflug der Enthusiasmus gebremst: die Sitze im Flugzeug werden immer enger. Ich dachte, das liegt daran, dass immer, wenn ich reise, ein schwitzendes und brüllendes Kind auf mir klebt. Aber nein, es ist auch als Alleinreisender mittlerweile sehr eng in den neuen sparsamen 6er-Reihen. Weisswein und Schampus? Fehlanzeige! Auf dem Weg ins Hotel meint eine Freundin, sie hätte sich den Rücken verrissen. Auf die Frage Wann?, antwortet Sie: „Natürlich in Reihe 18b, wo ich zwischen den beiden mächtigen Herren neben mir – eingeklemmt – versucht habe, mein Sakko auszuziehen!“ Was ist nur aus dem alten Traum vom Luxusleben über den Wolken geworden? Wieder einmal der Beweis, dass früher einfach vieles besser war.

Im Hotel angekommen, brauchen wir dringend Stärkung in flüssiger Form. Wir haben Glück und das Wetter spielt mit: es ist Ende April und das Thermometer zeigt 29 Grad, wunderbar! Auf zur nächsten Piazza, wo uns kühlende Campari Orange erwarten. Ach, das tut gut und hebt die Stimmung deutlich.

Was nun? Sitzen bleiben und genießen? Oder die neu gewonnene Freiheit in Luxusboutiquen verplempern? Egal, für was man sich entscheidet, man kann in Florenz beides ganz wunderbar und ausgelassen tun. Gestärkt und leicht erheitert, mit hunderten von Tüten beladen, stolpern wir am späten Nachmittag zurück ins Hotel. Jetzt aber dalli, unsere Tischreservierung wartet und das Grummeln im Bauch sagt, dass nun ein Essen gar nicht verkehrt wäre.

Wir haben uns alle in Doppelzimmern einquartiert, so ist es lustiger und man kommt auch besser zum quatschen. Nun schnell frisch machen! Dabei fliegen Kleider und Schuhe durch die Luft, das Make-up Täschchen wandert von Einer zur Anderen und mit der Präzision eines chirurgischen Skalpells kommt die Wimpernzange zum Einsatz; Schmuck wird um Schultern und Ohren gehängt. Die Luft steht schwer im Raum, geschwängert von der toskanischen Abendsonne und französischem Parfum. 15 Minuten später stehen alle (wie durch ein Wunder!) startklar in der Lobby.

Eine Kutschfahrt und sieben alberne Mädchen später, spazieren wir in eines der hippsten Lokale der Stadt und verlangen heißhungrig nach der Speise- und (noch viel wichtiger) der Weinkarte. Wir genießen ausgelassen Speis und Trank – es wird erzählt, gealbert und gelacht. Mein Mann will natürlich immer wissen, über was wir denn so quatschen. Wenn er es wüsste, wäre er enttäuscht. Nein, Mädels lästern nicht immer nur über das männliche Geschlecht. Es ging ums Jagen (es gibt Jägerinnen in unsere Runde), Waffen und Autos (in welchen SUV passen bis zu 3 Kindersitze?). Natürlich streifen wir auch Themen, wie Kinder, Hunde, Nagellack und Mode. Am Ende des Abends habe ich einen Bauch-Muskelkater, nicht, wie üblich vom Morgensport, sondern angenehmer Weise vom Lachen.

Der toskanische Wein liegt uns schwer im Magen und das Bett ruft. Vernünftigerweise beschließen wir, die überfüllten Bars hinter uns zu lassen und lieber Richtung Hotel zu steuern. Auf dem Weg lassen wir uns begleiten vom landestypischen Gepfeife und Gejohle der jungen italienischen Herren, an denen wir vorbeistolzieren. Das sind ja schließlich alles Nachfahren irgendwelcher Götter, auch wenn man das ab und an (allein schon von der Optik her) nicht mehr ganz nachvollziehen kann. Der Seele tut ein „Ciao, sei bellissima!“ immer gut. Ach, ich liebe Italien!

Neuer Tag, neues sonniges Glück! Wer glaubt, dass wir nur faul waren, irrt. Wir haben uns das volle Kulturprogramm gegeben: Stadtführung, Dom, Kirchen, die kleinen Gassen und natürlich die Uffizien. Das Gucci Museum – gibt es dort wirklich! – klingt nach Klischee, aber wer sich für Mode interessiert, sollte es sich unbedingt anschauen. So verstreichen die Stunden und der Tag vergeht wie im Fluge. Endlich kommen an diesem Abend die 10 Paar mitgeschleppten Designer Heels, Handtäschchen und schicken Kleidchen zum Einsatz. Nach dem Kulturmarathon haben wir uns den Champagner auf einer Dachterrasse redlich verdient. Leider sehen das anscheinend eine Menge andere Leute ebenso: alles ist voll, nix da mit Terrasse. Aber man findet in Florenz genug schöne Plätze, um es sich gut gehen zu lassen.

Wir genießen ein grandioses Dinner am Arno und die Stimmung steigt mit jeder Flasche köstlichem toskanischem Vino. Es werden immer mehr Kellner (oder sehe ich schon doppelt?) welche sich um die alberne Mädelstruppe bemühen. Sieben Gänge mit Weinbegleitung zeigen ihre Wirkung und erhöhen das Lach-potenzial immens. Beste Freundinnen sind etwas Wunderbares! So unterschiedlich wir auch sind, so vereinen uns doch im täglichen Wahnsinn die Anerkennung in Berufsleben und Alltag, Ehemänner und Kinder. Wir hören zu, ohne Vorurteile, trösten und beraten wo nötig, bejahen wilde Pläne und unterstützen gegenseitig unsere Träume.

Ich lasse meinen Blick in die Runde schweifen und bin für jede schöne, intilligente, fröhliche, strake, wunderbare, Übermutter und Powerfrau die hier am Tisch sitzt unendlich dankbar. Jede trägt auf Ihre ganz eigene Art zu diesem besonderen Freundeskreis bei.

Ich falle dankbar und müde ins Bett. Ein herrlich (Kalorien reiches) Wochenende geht zu Ende und nun freue ich mich mit neu gewonnener Kraft auf den Alltag, meine Kinder und meinen Mann.

Mädels: ich danke Euch für Eure Unterstützung und Freundschaft. Getreu dem Motto: “Im Leben geht es nicht darum zu warten, dass das Unwetter vorbeizieht, sondern zu lernen im Regen zu tanzen“. Am liebsten mit Euch gemeinsam!

Hier noch ein paar Tipps für Florenz

Restaurants:

  • Il Santo Bevitore”, Via di Santo Spirito, 64/66 r
  • “Parione”, Via del Parione, 74/76r, Via della Vigna Nuova, 17
  • Borgo San Jacopo”, Borgo San Jacopo, 62r

 

Bars:

  • „La Terrazza“ Rooftop Bar, Hotel Continentale – Vicolo dell’Oro, 6
  • „ Colle Bereto“, Piazza degli Strozzi, 5

 

Hotels:

  • Hotel „Lungarno“, Lungarno Collection,
  • Hotel „Palazzo Vecchietti“, Via degli Strozzi, 4

Kaffeehaus:

  • „Caffé Gilli“, Via Roma, 1r
  • „Caffè Paszkowski“, Piazza della Repubblica, 35/r

 

Tipps:

  • Eine Stadtführung lohnt sich, die gesamte Innenstadt ist quasi eine riesige Fußgängerzone, ich rate zu flachem Schuhwerk.
  • Die Uffizien sind ein Muss. Hier kann man vorab im Internet Tickets buchen, es lohnt sich, sonst muss man mit sehr langen Schlangen und Wartezeiten rechnen.
  • Das Gucci Museum ist sehr sehenswert und direkt im Zentrum gelegen. Besonders schön: es gibt im angrenzenden Laden Mode, Schuhe, Taschen und Accessoires, die es NUR dort zu kaufen gibt, in keiner anderen Gucci Boutique weltweit!
  • „Gucci Garden“, Piazza della Signoria, 10
(Besuche: 85, davon heute 1)