Vom Wandern, dem Wald und dem Großstadtgeflüster

Fast jede Zeitschrift, die ich in den letzten Wochen in der Hand hatte, wirbt mit dem Wandern, der Wanderlust…, berichtet vom heilenden Spazierengehen und dem Wald als Wohlfühl-Oase. Das ist ja schön und gut und ich habe vollstes Verständnis dafür. Vor meinen Tagen als Vollzeit Mami war ich mal Jägerin (bin es zwar noch, kann aber dieser besonderen Naturnähe momentan aus Zeitmangel nicht weiter nachgehen). Ich liebe den Wald, die Geräusche dort, die natürliche Ruhe, das dunkle Licht, die Schatten und natürlich den Geruch von frischem Waldboden. Der Wald ist ein Wohlfühl-Ort, keine Frage.

Nun leben mein Mann und ich aber mitten im Herzen einer Großstadt. Ja, wir wollten das so, trotz dreier Kinder. Natürlich wäre ein Häuschen mit Garten im Grünen auch nett, aber ich liebe es vor die Tür zu treten und mitten im Trubel und Leben der Stadt zu stehen. Meine Kinder gehen in Parks und auf Spielplätze und wenn wir mal bei Freunden im Garten sind, lieben sie es, sich auf dem frischen Rasen herum zu rollen.

Natürlich frag ich mich immer wieder als Mutter, ob ich meinen Kinder genug „Natur“ biete und ob ein Umzug aufs Land nicht viel gesünder und natürlicher wäre. Aber wenn man es abwägt, ist das Landleben auch nicht nur mit Vorteilen gesegnet. Das dörfliche Leben ist nichts für mich: der Tratsch, jeder mauschelt über jeden, das erzwungene Mitmachen bei Dorf-Aktivitäten, etc. Außerdem weigere ich mich „Crocs“ zu tragen. Falls der Tod darauf wartet, dass ich mal in solche Plastik Treter schlüpfe, bin ich quasi unsterblich!

Ich liebe es, mit dem Kinderwagen durch die Gassen unserer Nachbarschaft zu schlendern und mir die neusten Geschäfte anzusehen. Ja, gekauft wird auch mal was, ist ja klar. Ich kann hier in Gummistiefeln und Barbour Jacke ebenso glücklich sein, wie in meinen Designer Heels. Ich bin eher das Stadtkind als das Landmädchen!

Im Sommer bin ich allerdings der brütenden Hitze der Stadt entkommen und war mit den Kindern 5 Wochen auf der Alm und in den Bergen. Wir sind in Seen geschwommen und haben übermütig im Gras getobt. Meine Kinder glücklich in ihren pinken Kinder-Crocs, ich in meinen gemütlichen Espandrilles. Wir haben Regenwürmer gesammelt und Eichhörnchen gefüttert.

Ich bieten meinen Kindern gerne Aktivitäten auf dem Land: wir besuchen Bauernhöfe, streicheln Kühe, reiten Ponys, beobachten die suhlenden Schweine und fangen Kücken. Jede Form von „Tier-Kaka“ wird genau inspiziert und unter die Lupe genommen (warum sind Kinder nur so fasziniert von Kot in jeder Form?). Genauso genieße ich es aber auch, mit den Kindern durch die Museen unserer Stadt zu streifen und neue Dinge zu entdecken. Mal ins Kunst- oder auch ins Naturhistorische Museum. Die Sammlungen unserer Stadt locken jedes Jahr Millionen von Touristen hier her, warum also diese nicht auch mal bestaunen gehen?

Dennoch muss ich zugeben, dass ich zu selten mit den Kindern im Wald bin. Mein Mann meint, dort gibt es Zecken, iiiiihhhhhhhhgitt! Aber das alleine darf doch nicht der Grund sein dort mit den Kindern nicht auch mal durchs Gebüsch zu stöbern? Schließlich gibt es lange Hosen und Gummistiefel! Ich vermisse den Besuch im Wald, die modrig geschwängerte Luft, den Vogelgesang und habe mir fest vorgenommen, am Wochenende mal wieder einen Waldspaziergang zu machen. Weg vom Alltagsstress, dem Kindergarten, der Stadt und dem Lärm. Lasst uns die Sinne schärfen und die Seele baumeln. Jedes Kind bekommt einen Korb und darf Dinge sammeln: Äste, Pilze, Moss, Bucheckern, Käfer und der Dinge mehr. Vielleicht finden wir auch schon die ersten herbstlich verfärbten Blätter zum Sammeln und Basteln? Auf geht’s und Waidmannsheil!

(Besuche: 113, davon heute 1)