Morgenstund hat Gold im Mund! Wirklich?

Das morgendliche Aufstehen ist sicherlich in jeder Familie schwer.

Wer hüpft schon gerne beim ersten Weckerläuten fröhlich aus dem Bett und beginnt den Tag mit einem breiten Lächeln? So gern ich mich so sehen würde, die Realität sieht meist anders aus.

Die Nächte sind entweder zu kurz, oder waren unterbrochen vom Gejammer schlafloser Kinder. Das kann bei drei kleinen Kindern viele Grüne haben: Zahnen, Bauchweh, Mami ich muss mal…, Alpträume, Husten, etc.

Somit bin ich morgens meist sehr müde. Der Wecker klingelt… und reißt mich aus meinen Träumen. Nun heißt es aufstehen, sich selbst ermahnen, nicht wieder einzuschlafen und die Füsse auf den Boden der Realität stellen. Packen wir es an: neuer Tag, neues Glück!

Während ich mich ins Bad schleppe und versuche die Äuglein schlaf-frei zu reiben, genieße ich noch kurz die Stille in unserem Heim. Kein Laut ist zu hören, kein Kind ist wach, der Mann döst noch, die Waschmaschine schweigt, der Tag ist noch leise. Nur das Ding Dong der Kirchenglocken ist leise zu hören. Friede, wie herrlich!

Nun heißt es: aber dalli… ich muss unter die Dusche, die Kinder aus dem Bett, das Frühstück auf den Tisch und das bitte alles flott. Die Zeit drängt und ich finde es schrecklich, schon so früh morgens damit anzufangen, die Kinder zu hetzten: “mach schneller, wir kommen zu spät, muss das jetzt sein, nein das ist verkehrt herum, bitte beeile Dich doch mal ……“

Warum muss man schon Kindergartenkinder so triezen? Warum müssen überhaupt Schulen und auch Kindergärten um 8 Uhr beginnen? Zeiten die nachweislich für Kinder zu früh sind? Im Durchschnitt ist ein Kind erst ab ca. 9 Uhr aufnahmefähig. Ich erinnere mich selbst noch, wie schwer mir das Aufmerksam-sein in den ersten Schulstunden fiel.

Dabei darf man natürlich die gute Laune nicht verlieren wenn die Kinderchen sich seit Neustem unbedingt selbst anziehen wollen. Ein wichtiger Lernprozess, der mich morgens viel Geduld kostet.

Also lobe ich und versuche cool zu bleiben wenn sich meine beiden älteren Töchter (2,5 und fast 4 jahre ‚alt‘) zum sechsten Mal die Socken falsch herum anziehen. Mit der Frage: „Darf ich Dir helfen?“ ist auch nix gewonnen. Die Kinder wollen es alleine schaffen. Ich denke an das Kinderlied: „ich schaff das schon, ich schaff das schon, ich schaff das ganz alleine….“

Probieren wir‘s auf Augenhöhe: „Komm, Mami macht die Knöpfe zu.“ Die Rückmeldung meiner Ältesten: „Mami, ich muss das selber lernen. Ich will mich auch schön machen.“

Bitte sehr, das kann ich verstehen. Nach einer gewissen Weile…, ich bereite schon das Frühstück für alle zu, sind die Mini Mäuse angezogen. Die selbstgestaltete Frisur ist im besten Falle als eigenwillig zu bezeichnen. Aber ich sehe lächelnd darüber hinweg und lobe die Kreativität meiner grossen Tochter. Dafür sitzt der Rest – auch die Socken sind an Ort und Stelle. Kleine Siege braucht der Mensch, Kinder im Besonderen.

Kaum ist das Frühstück abgeschlossen, muß man die Kinder schon wieder durchs Bad hetzten: Zähne putzen, Hände Marmeladen frei waschen und die Gesichterchen wischen.

Nachdem man sie dann in Ihre Outfits gesteckt hat, ist man selbst einem Schweißausbruch nahe und sehnt sich schon wieder nach einer Dusche.

So hetzen wir zur Straßenbahn damit die Kinderchen bloß nicht zu spät kommen. Zu was den? Zum basteln, spielen, kleben?

Beruhigt bin ich aber, wenn meine Kinder sicher im Kindergarten sind, ich endlich durchatmen kann und ich anderen Müttern und Vätern die Tür aufhalte die ebenfalls schweißgebadet Ihre Sprösslinge an Händen und Ärmeln durch die Tür buxieren. Man ist nicht alleine im morgendlichen Chaos.

Ich laufe zurück nach Hause und auf einmal ist es wieder herrlich ruhig. Die Kirchenglocken ertönen erneut und der Tag nimmt seinen Lauf.

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