Über Sommer, Sonne und Stereotypen

Endlich, der Sommer ist da und auch ein zwischen-geschobener Regentag kann meine Euphorie nicht bremsen. Ich bin seit einer gefühlten Ewigkeit mal nicht im Hochsommer schwanger!!! Wunderbar: Weisse Spritzer, Gin Tonic und chillen auf Dachterrasse-bars… ich komme!

Immer wieder nehme ich mir kleine Auszeiten vom Alltag mit den Kindern und ziehe mich mit Buch oder Zeitschrift in eine der reichlich dargebotenen Stadtoasen zurück, um die Seele baumeln zu lassen. Ein kleiner Campari Orange am Nachmittag? Klar, geht auch mal. Dann wuppt man die abendliche Kinder-Bett-Geh-Routine viel lockerer und leichter.

Dabei beobachte ich gerne und ungeniert meine Mitmenschen. Die Welt ist voller Stereotypen und Klischees, aber im Sommer habe ich das Gefühl, dass sich die Summe derselben quasi über Nacht verdoppelt hat. Sorten gibt es dabei viele: es gibt die sportlichen ‚jogge-gerne-halbnackt-um-meinen-gestählten-Körper-zu-zeigen‘ Typen. Die schüchterne Bibliotheks-Maus, die auch bei gefühlten 40 Grad nicht auf langärmlige Kleidung verzichten kann, um bloß nicht zu viel Ozon auf die helle Haut zu bekommen. Die ‚ich-bin-frisch-verliebt‘- Pärchen, die keine Sekunde ihre Lippen voneinander trennen können. Die ‚ich-bin-Tourist,-versuche-aber-zu-blenden,-in-dem-ich-meinen-City Guide-heimlich-verstecke‘ Typen. Die ‚ich-schaue-lieber-auf-mein-Tablett-oder -Handy‘ Typen, die ihre Umwelt gar nicht mehr bewußt wahr zu nehmen scheinen. Damen, die sich umringt von Tüten und den Eroberungen des ausgelassenen Shopping Tages jetzt ‚endlich-mal-eine-Pause-gönnen‘. Und natürlich nicht zu vergessen: die Müttergrüppchen, die sich gerne mitten auf Grünflächen in Parks platzieren, umringt von ihren Stillgruppen und enorm viel Platz einnehmen während Kinder, Spielzeug, Kinderwägen, Krabbeldecken und Wickeltaschen sie einrahmen.

Besonders gerne beobachte ich aber Menschen, die in keine dieser vermeindlichen Gruppen einzuordnen sind. Sie sind still, mysteriös und scheinen un-nahbar. Was machen sie hier? Woher kommen sie? Sind sie alleine? Alleine das Mutmaßen macht Spaß und fördert so manchen düsteren Gedanken zu Tage. Wir wissen ja alle, dass die Welt um uns herum nicht nur gut ist.

Unterscheiden kann man aber auch hier. Dann stelle ich mir die „Eis Frage“: was ist das für ein Typ? Erdbeer-Sahne oder lieber ein Cornetto-Haselnuss mit einem Schokokick im Kern?

Ach, auch egal, man muss ja nicht immer alles ergründen. Die Kirchenuhr erinnert mich daran, wie spät es ist und ich bestelle schnell noch einen Drink und vertiefe mich endlich in meine mitgebrachte Lektüre. Prost!

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